„Kostenlos" ist im SaaS-Marketing ein elastischer Begriff. Manche Anbieter meinen damit einen 14-Tage-Test, andere ein lebenslanges Limit von drei Signaturen, wieder andere echte Free-Tarife mit fortlaufender Nutzung. Dieser Leitfaden trennt die Versprechen von der Realität und zeigt, welche kostenlose E-Signatur-Software 2026 tatsächlich brauchbar ist — für welchen Anwendungsfall, mit welchen Grenzen, und wann Sie unweigerlich aufrüsten müssen.
Preise und Limits können sich kurzfristig ändern. Besuchen Sie vor dem Abschluss die offizielle Website des Anbieters, um die aktuellen Konditionen zu verifizieren.
Was „kostenlos" wirklich heißt
Drei Modelle dominieren den Markt: Echte Free-Tarife mit dauerhafter Nutzung und harten Limits (typischerweise 3–10 Signaturen pro Monat oder lebenslang). Free-Trials mit Vollzugriff für 7 bis 30 Tage, danach Bezahlpflicht oder Funktionsverlust. Freemium-Modelle mit dauerhaft kostenloser Selbstsignatur, aber kostenpflichtigem Versand an Dritte.
Für die meisten privaten und gelegentlichen geschäftlichen Anwendungsfälle reicht ein echter Free-Tarif. Wer regelmäßig Verträge versendet, sollte gar nicht erst kostenlos planen — die Free-Limits sind so gesetzt, dass ernsthafte Nutzung schnell anstößt. Free-Tarife sind Test-Werkzeuge, keine Produktivumgebungen.
Die fünf besten kostenlosen Optionen 2026
Wir haben die kostenlosen Pläne der fünf relevantesten Plattformen über drei Wochen real getestet. Reihenfolge nach praktischer Brauchbarkeit:
- Sign.Plus Free — drei Signaturanfragen lebenslang, eine Vorlage, vollwertige Audit-Trails.
- Dropbox Sign (ehemals Dropbox Sign) Free — drei Signaturanfragen pro Monat, ein Nutzer.
- PandaDoc Free eSign — unbegrenzte Selbstsignaturen plus Empfängersignaturen, aber keine Vorlagen.
- SignNow Trial — sieben Tage Vollzugriff, danach Bezahlpflicht.
- DocuSign Trial — 30 Tage Test mit Funktionseinschränkungen, kein dauerhafter Free-Tarif.
Sign.Plus Free
Sign.Plus bietet einen der ehrlichsten Free-Tarife des Marktes. Drei Signaturanfragen lebenslang — nicht pro Monat, sondern auf Lebenszeit des Accounts. Eine Vorlage, einfacher Audit-Trail, keine Kreditkarte erforderlich. Vollwertiges Web- und Mobil-Interface.
Was Sie bekommen: vollständige Compliance (eIDAS, ESIGN, ZertES), AES-256-Verschlüsselung, Abschlusszertifikat, mobile Apps für iOS und Android. Was fehlt: SMS-Verifizierung, Vor-Ort-Signatur, Custom Branding, Team-Workspaces, mehr als eine Vorlage.
Wann sinnvoll: Wenn Sie genau drei Verträge testen wollen — entweder zur Plattform-Bewertung oder für einen einmaligen Use-Case. Für laufende Nutzung ungeeignet, aber als Test-Werkzeug ehrlich aufgesetzt. Upgrade auf Personal startet bei rund 9,99 Euro pro Monat mit zehn Anfragen monatlich.
DocuSign: Trial statt Free-Tarif
DocuSign bietet 2026 keinen dauerhaft kostenlosen Plan im klassischen Sinn — nur eine 30-Tage-Testversion mit fast vollständigem Funktionsumfang. Nach Ablauf werden alle ungenutzten Signaturen verworfen, und die Bezahlpflicht beginnt automatisch, sofern Sie nicht aktiv kündigen.
Achten Sie bei DocuSign-Trials auf das Ablaufdatum. Die automatische Konvertierung in einen Bezahlplan ist Standardverhalten — kalendrieren Sie die Kündigungsfrist, falls Sie nicht zahlen wollen. Eine Kündigung am Trial-Endtag wird in der Regel akzeptiert.
Innerhalb der 30 Tage erhalten Sie Zugriff auf das DocuSign-Erlebnis: tiefe Salesforce-Integration, fortgeschrittene Workflow-Routing, mobile Apps, Vorlagenbibliothek. Wer DocuSign konkret evaluiert, sollte den Trial taktisch nutzen — beispielsweise für einen Sprint mit fünf Vertrags-Workflows. Für gelegentliche Nutzung ist DocuSign nicht der richtige Anbieter; hier liegen Sign.Plus oder Dropbox Sign vorn.
PandaDoc Free eSignature
PandaDoc geht 2026 einen interessanten Weg: das Free eSign-Produkt erlaubt unbegrenzte Selbstsignaturen und das Senden an Empfänger ohne harte Volumengrenze — allerdings ohne die fortgeschrittenen Vertragsfunktionen, für die PandaDoc primär bekannt ist (Vorlagen, Pricing-Tabellen, Workflow-Automatisierung, Zahlungserhebung).
Was Sie bekommen: einfache Signaturanfragen, Audit-Trail, mobile Apps, Empfängerverifizierung via E-Mail. Was fehlt: Vorlagen, dynamische Felder, Integrationen, Team-Funktionen, bedingte Workflows. Für Selbstständige mit gelegentlichen, aber regelmäßigen Verträgen ist Free eSign brauchbar — solange die Verträge einfach strukturiert sind.
Dropbox Sign (ehemals Dropbox Sign)
Dropbox Sign — bis 2022 als Dropbox Sign vermarktet — hat einen der saubersten Free-Tarife: drei Signaturanfragen pro Monat, ein Nutzer, unbegrenzte Selbstsignaturen, native Dropbox-Integration. Der Tarif startet jeden Monat neu, was ihn für sehr regelmäßige Nutzung mit niedrigem Volumen brauchbar macht.
Was Sie bekommen: drei monatliche Anfragen, Audit-Trail, Vorlagen (auf eine begrenzt im Free-Plan), saubere Web-Oberfläche, Dropbox-Sync. Was fehlt: Mehrfach-Empfänger-Workflows mit komplexen Routings, Custom Branding, API-Zugriff, Team-Workspaces.
Wann sinnvoll: Für Selbstständige, die monatlich ein bis drei Verträge versenden — etwa Freiberufler im Beratungs- oder Designbereich. Upgrade auf Essentials beginnt bei rund 15 Euro pro Monat.
SignNow Free Trial
SignNow bietet eine 7-tägige Testversion mit Vollzugriff. Kein dauerhafter Free-Tarif, aber der kürzeste Trial unter den Marktführern. Für eine schnelle Plattform-Evaluation nützlich; für ernsthafte Nutzung zu kurz.
Innerhalb der sieben Tage erhalten Sie unbegrenzte Anfragen, Vorlagen, Workflow-Funktionen und API-Zugriff. SignNow positioniert sich preislich aggressiv — der Business-Plan startet bei rund 8 Dollar pro Nutzer und Monat, deutlich unter DocuSign und PandaDoc. Für preissensible Teams ist SignNow nach dem Trial die günstigere Alternative.
Die echten Limits der kostenlosen Versionen
Sechs Limits begegnen Ihnen in praktisch jedem Free-Tarif. Wer diese kennt, kann den richtigen Tarif auswählen, ohne auf Marketing-Folien zu vertrauen:
- Volumen-Limit — 3 bis 10 Signaturen pro Monat oder lebenslang. Über diesem Wert ist ein Bezahlplan unausweichlich.
- Eine Vorlage maximal — wer denselben Vertrag mehrfach versenden will, kommt ohne Vorlagenfunktion nicht weit.
- Keine Empfängerverifizierung — SMS-Codes, Passcode-Schutz und Video-Ident sind durchgängig kostenpflichtig.
- Kein Branding — der Empfänger sieht das Logo des Plattform-Anbieters statt Ihres eigenen.
- Kein Team-Modus — kostenlose Pläne sind Single-User. Mehrere Mitarbeiter benötigen mehrere Free-Accounts oder einen Bezahlplan.
- Eingeschränkter Audit-Trail — manche Anbieter beschneiden die Detailtiefe des Audit-Logs in kostenlosen Plänen. Für rechtlich sensible Verträge ein klares Argument für den Bezahlplan.
Wann ein Upgrade unausweichlich wird
Der Wechsel auf einen Bezahlplan rentiert sich an drei klaren Schwellen:
- Volumen über 5 Signaturen pro Monat: Personal-Plan zwischen 10 und 15 Euro pro Monat.
- Wiederkehrende Vertragstypen: sobald Sie zwei oder mehr Vorlagen brauchen.
- Empfängerverifizierung erforderlich: bei Verträgen mit Streitwerten über 25.000 Euro lohnen SMS- oder Passcode-Schutz immer.
- Team-Nutzung: sobald mehrere Mitarbeiter signieren oder versenden müssen, brauchen Sie einen Business-Plan zwischen 20 und 40 Euro pro Nutzer.
- API-Anbindung: für Workflow-Automatisierung in eigene Anwendungen.
Beste kostenlose Wahl nach Anwendungsfall
Eine konkrete Empfehlung pro Profil:
- Selbstständige mit 1–3 Verträgen pro Monat: Dropbox Sign Free oder PandaDoc Free eSign.
- Einmalige Plattform-Evaluation für ein konkretes Projekt: Sign.Plus Free für drei Test-Workflows oder DocuSign 30-Tage-Trial für tiefe Salesforce-Tests.
- Schweizer Selbstständige mit ZertES-Bedarf: Sign.Plus Free, danach Personal-Plan — die einzige Plattform mit ZertES-Konformität in dieser Preisstufe.
- Teams ab zwei Personen: kein Free-Tarif sinnvoll, direkt zu Bezahlplänen.
- Entwickler, die API testen wollen: SignNow Trial oder Sign.Plus Sandbox.
Testen Sie zwei Plattformen parallel mit demselben realen Vertrag. Sie merken in dreißig Minuten, welche Plattform sich für Ihren Workflow natürlicher anfühlt — und können nach dem Trial fundiert entscheiden.
Tieferer Vergleich der Bezahlpläne in unserer Anbieter-Vergleichsübersicht. Wer zwischen Indie-Tool und Enterprise-Standard schwankt: Sign.Plus vs. DocuSign stellt beide Philosophien direkt gegenüber.
Versteckte Kosten kostenloser Pläne
„Kostenlos" hat ein paar Haken, die nicht alle Anbieter klar kommunizieren. Erstens: Werbung im Empfänger-Workflow. Manche Plattformen blenden in der kostenlosen Version Werbe- oder Promotionsinhalte für den Empfänger ein — eine Aufforderung zum Account-Anlegen, ein Banner mit „Powered by". Das wirkt auf Geschäftskunden unprofessionell.
Zweitens: begrenzte Aufbewahrungsdauer. Einige Anbieter speichern signierte Dokumente in kostenlosen Plänen nur für 30 oder 90 Tage. Wer die Dokumente nicht rechtzeitig herunterlädt, verliert den Zugriff. Bewahren Sie deshalb signierte PDFs grundsätzlich extern auf — nicht nur in der Plattform.
Drittens: fehlende Datenresidenz-Kontrolle. Kostenlose Pläne speichern Dokumente in der Standard-Region des Anbieters — bei US-Anbietern oft in den USA, was unter DSGVO und Schrems II problematisch sein kann. Datenresidenz in der EU ist meist erst ab Bezahltarifen verfügbar.
Viertens: kein Auftragsverarbeitungsvertrag. Bei kostenlosen Plänen verzichten manche Anbieter auf einen ausgearbeiteten AVV nach DSGVO-Standard. Wer personenbezogene Daten Dritter verarbeitet — also bei jeder Signaturanfrage an einen Kunden — sollte einen AVV unterzeichnen können.
Kostenlos vs. Open Source
Eine berechtigte Frage: Gibt es Open-Source-Alternativen? Ja, aber mit Einschränkungen. OpenSign und DocuSeal sind die beiden bekanntesten selbst-hostbaren Open-Source-Lösungen. Beide bieten eine solide Funktionsbasis — Vorlagen, Multi-Signer-Workflows, Audit-Trail. Was fehlt: unabhängig geprüfte Compliance-Zertifizierungen (ISO 27001, SOC 2), QES-Anbindung an akkreditierte Vertrauensdienste und der Komfort gemanagter Plattformen.
Für Entwickler-Teams mit Self-Hosting-Erfahrung und niedrigen Compliance-Anforderungen sind diese Lösungen attraktiv. Für die meisten KMU rechnet sich der Self-Hosting-Aufwand nicht — die Total-Cost-of-Ownership inklusive Server, Backups und Sicherheitsupdates liegt typischerweise höher als ein Bezahlabo bei einem etablierten Anbieter.
Was kostenlose Anbieter monetarisieren
Niemand betreibt einen kostenlosen Plan aus Wohltätigkeit. Anbieter haben drei Wege, Free-Tarife zu finanzieren. Erstens: Conversion auf Bezahlpläne. Wer den Free-Plan nutzt, wird mit gezielten Upsell-Mails, Funktionssperren und Volumen-Limits in Richtung Bezahlplan gelenkt. Diese Strategie ist legitim, solange sie transparent kommuniziert wird.
Zweitens: Markenbildung. Jeder Empfänger einer kostenlosen Signaturanfrage sieht das Branding des Anbieters. Plattformen wie Sign.Plus oder DocuSign bauen so über jahrelang gesammelte Empfänger-Touchpoints eine starke Wiedererkennung auf. Wenn der Empfänger später selbst eine Plattform sucht, fällt ihm der Name ein, den er schon kennt.
Drittens, in seltenen Fällen: Datenmonetarisierung. Seriöse Anbieter verzichten darauf — DSGVO und das Auftragsverarbeitungsmodell verbieten die Sekundärnutzung von Vertragsdaten. Trotzdem lohnt der Blick in die Datenschutzerklärung: Welche Telemetrie wird erfasst? Werden Nutzungsdaten anonymisiert für Produktverbesserung verwendet? Vermeiden Sie kostenlose Plattformen, die in den AGB unklare Datennutzungsklauseln haben.
Free-Tarife und Compliance — ein Reality-Check
Eine Frage, die in Marketingseiten selten ehrlich beantwortet wird: Sind kostenlose E-Signaturen DSGVO-konform genug für deutsche Unternehmen? Die Antwort hängt von zwei Faktoren ab. Erstens: dem Anbieter. Sign.Plus mit Schweizer Datenschutzfundament, Dropbox Sign mit EU-Datenresidenz-Option und PandaDoc mit dokumentiertem AVV sind grundsätzlich konform. Anbieter ohne öffentlichen AVV sind im Zweifel zu meiden.
Zweitens: dem Anwendungsfall. Wer als Privatperson einen Vertrag mit einer anderen Privatperson signiert, hat keine DSGVO-Verarbeitungspflicht. Wer als Unternehmen einen Vertrag mit einem Kunden signiert, ist verantwortlich und braucht einen AVV. Manche Anbieter stellen den AVV nur in Bezahlplänen zur Verfügung — dann ist der „kostenlose" Plan für gewerbliche Nutzung schlicht nicht einsetzbar.
Auch die Frage der Datenresidenz ist relevant. Wer als deutsches Unternehmen Verträge mit Sitz in Deutschland abschließt, sollte Daten innerhalb der EU verarbeiten. Free-Tarife mit Speicherung in den USA sind unter Schrems II problematisch — selbst mit Standardvertragsklauseln. Plattformen mit dezidierter EU-Datenresidenz (oft erst ab Bezahlplan) sind hier die sichere Wahl.
Wann Sie kostenlos bleiben können — und wann nicht
Eine ehrliche Faustregel: Wenn Sie weniger als drei Verträge pro Monat versenden und keine Compliance-kritischen Workflows haben, bleiben Sie kostenlos. Wenn Sie regelmäßig Geschäftskunden bedienen, Vertragsvorlagen wiederverwenden oder mehrere Mitarbeiter beteiligen, ist ein Bezahlplan unausweichlich. Die monatlichen Kosten von 15–30 Euro amortisieren sich bei den meisten KMU innerhalb der ersten Woche durch eingesparte Zeit und beschleunigte Abschlüsse.